Aquarell-Stiefmütterchen
- Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
- 22. März
- 3 Min. Lesezeit
Eine Übung für fliessende Pinselstriche

Schon lange beobachte ich bei den Schülern, dass sie sich oft beim Aquarellieren verkrampfen. Dabei ist ein einziger, gut gesetzter Pinselstrich das A und O um gute Resultate zu erlangen.
Wichtig ist natürlich in erster Linie ein guter Pinsel. Er muss nicht unbedingt eine Spitze besitzen. Oft ist dies sogar hinderlich. Er sollte aber sauber und elastisch sein.
Für feine Pinselstriche ist allerdings ein Pinsel mit einer guten Spitze unerlässlich.
Wir üben heute anhand von Stiefmütterchen und Forsythien, wie man saubere Farbflecken setzt, die dich begeistern werden. Ein gut gesetzter Farbfleck ist eine Freude.
Neben einem guten, elastischen Pinsel ist natürlich sauberes Wasser von Nöten. Besonders bei Rot-und Gelbtönen.
Die Aquarellstudien entstanden auf einem Papierblock von Clairefontaine. Diese kleinen Blätter eignen sich gut für Farbversuche und Studien. Einer liegt immer neben meiner eigentlichen Arbeit.

Stiefmütterchen, auch Viola wittrockiana genannt, sind allseits beliebt. Sie gehören zu den ersten Frühlingsblühern. Es gibt sie in unzähligen Variationen und Farben. Für meine heutigen Zwecke eignen sie sich besonders.
Echte Stiefmütterchen (Viola tricolor) werden in der Naturheilkunde eingesetzt. Sie enthalten Saponine, Schleimstoffe und Salicylsäure, die bei Hautproblemen (wie Milchschorf), Husten und Entzündungen helfen können. Die Blüten sind essbar und eignen sich zur Dekoration von Salaten, Torten oder als kandierte Blüten.
In Shakespeares „Sommernachtstraum“ wird der Saft des Wilden Stiefmütterchens als Liebestrank verwendet. Mancherorts wurden sie früher als „Mädchenaugen“ oder „Glotzsalat“ (wegen der gesichtsförmigen Zeichnung) bezeichnet.
An das erste Stiefmütterchen
Gedicht von Sophie Dethleffs 1809 - 1864
Sei willkommen mir im Garten,
Bist du endlich denn erwacht?
Ließest lange auf dich warten,
Schlummernd in der Erde Nacht.
Komm' herauf zum Sonnenscheine,
Schaue in die Welt hinein,
Denn mit dir, du süße Kleine,
Zieht der Frühling wieder ein.
Du erscheinest wie ein Segen,
Lächelst wie ein fromm' Gesicht
Aus den Blättern mir entgegen,
Sag' mir, denkst und sprichst du nicht?
Wer hat von den Blumen allen
Denn so lieblos dich benannt?
Dem hast schwerlich du gefallen,
Dem war nicht dein Werth bekannt.
Nein, wohl bist du reich geschmücket
Von dem Schöpfer der Natur,
Und der nur, den Glanz beglücket,
Übersieht dich auf der Flur.
Dem Bescheidenheit genüget
Und ein freundlich Angesicht,
Wer da weiß, daß Glanz betrüget,
Nein! der übersieht dich nicht.
Sophie Auguste Dethleffs (* 10. Februar 1809 in Heide, Herzogtum Holstein; † 13. März 1864 in Hamburg) war eine deutsche Mundart-Dichterin (Plattdütsch).
Sie verfasste zu Taufen, Polterabenden, silbernen Hochzeiten und ähnlichen Anlässen Gedichte. 1853 fand sie die Aufnahme im Schröderstift für „Hilfebedürftige aus besseren Ständen“ in Hamburg, wo sie am 13. März 1864 im Alter von 55 Jahren starb. Sophie Dethleffs wurde auf dem Friedhof St. Katharinen beigesetzt.
Schon in den letzten Unterrichtstunden beschäftigten wir uns mit dem Thema: "lockere Pinselstriche" und übten an blauen und weissen Krokussen.

Eine Blüte mit wenig Pinselstrichen aufs Papier zu bringen, sollte unser Ziel sein.
Das ist leicht gesagt, wenn man zu den Perfektionisten gehört. Aber ich rate allen, es zumindest zu versuchen.


Unsere heutigen Modelle sind also die Stiefmütterchen in den Farben Rosa und Hellblau, siehe Fotos.
Ich verwendete folgende Farben: Karminrot hell mit einer Spur Ultramarin für die rosa Blüte
Ultramarin Blau mit einer Spur Karmin für die hellblaue Blüte
Für die Grüntöne nahm ich ein Saftgrün, dem ich wahlweise Lichter Ocker oder Karmin und Ultramarin Blau zufügte.


Ich begann mit einer lockeren Übung, indem ich, ohne viel zu überlegen, die Farben auf das Papier setzte. Beim zweiten Bild nahmen die Farben schon Konturen an. Diese leicht abstrakte Art ist mir persönlich die Liebste.


Anleitung:
Setzt den Pinsel auf das Papier und mit einen leichten Druck und eventuell einer Drehung die Farbflecken auf den Untergrund. Wo die Farbgebung stärker sein soll, tupft ihr etwas zusätzliche Farbe in die wässrige Lösung. Solange die Farbe feucht ist, lässt sie sich nach aussen ziehen.
Wer verkrampft ist, sollte vorher einige Lockerungsübungen mit den Händen machen. Ich kann versichern, dass sie helfen. Doch zurück zur Pinselführung.

Mit einer zarten Lösung aus den jeweiligen Blütenfarben und wenig Umbra Gebrannt zeichnete ich die feinen Linien in den Blütenblättern ein. Für das Auge verwendete ich ein sattes Gelb und umgab es mit einer starken Mischung aus Ultramarin Blau und Karmin Rot.

Auf der oberen Abbildung habe ich aus der Studie ein fertiges Bild erstellt, indem ich weitere Blüten, sowie Grün hinzufügte.
Wer Schwierigkeiten mit den Formen hat, sollte sich diese einmal separat vornehmen.


Ein wenig übertreiben in der Formgebung ist erlaubt.
Diese Übungen lassen sich mit vielen Blumen machen. Ich habe mich zusätzlich für Forsythien entschieden, die ich als Hintergrund für die Stiefmütterchen verwendete. Auch hier habe ich zuerst kleine Versuche unternommen.

Diese Studien dienen mir nun als Modelle für weitere Arbeiten, die ich bei Gelegenheit anfertigen möchte. Ich würde mich freuen, euch mit meinem Eintrag in Lust und Laune versetzt zu haben, Pinselübungen zu machen.
Wusstet ihr, dass das Stiefmütterchen eines der Stadtsymbole der japanischen Stadt Osaka ist?
Gruss Katharina









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