Aquarell- bewegtes Wasser Teil 1
- Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Landschaft mit Bergbach

Der Anblick einer Landschaft mit Wasser berührt tief, da er evolutionsbiologisch, psychologisch und emotional Geborgenheit, Ruhe und Lebenskraft vermittelt, behauptet das Internet.
Wasser reduziert Stress, senkt den Blutdruck und wirkt durch seine Weite, Spiegelungen und ständige Bewegung (Fluss, Meer) als heilsamer Gegenpol zum hektischen Alltag. Es symbolisiert zudem Leben, Erneuerung und Reinheit.
Landschaften sind bei meinen Schülern beliebt und werden immer wieder eingefordert. Da das Wetter es oft nicht erlaubt, im Freien zu malen sind wir auf Fotos angewiesen oder müssen unsere Fantasie einschalten. Das ist nicht im Sinne von Paul Cezanne, der nur vor der Natur malte, sie zu lesen versuchte. "Nach der Natur sehen heisst, das Eigentümliche seines Modells herausfinden"
Um Erfahrungen zu sammeln, sind diese fiktiven Landschaften gut. Allerdings fehlt ihnen das natürliche Licht. Während eine Kamera eine technisch-physikalische Abbildung wiedergibt, sieht unser Auge eine von Gehirn interpretierte Version der Wirklichkeit.
Das heisst, unser Auge kann enorme Helligkeitsunterschiede (Schatten bis helle Sonne) gleichzeitig wahrnehmen. Kamerasensoren dagegen stoßen oft an ihre Grenzen, was zu überbelichteten Lichtern oder zu dunklen Schatten führt, welche die Farben verfälschen.
Die Natur bietet ein unendlich feines, kontinuierliches Farbspektrum. Digitale Sensoren müssen diese Farben in begrenzte Farbräume übersetzen, wodurch feine Nuancen verloren gehen. Oft sind sie sogar verfälscht. Das Spektrum an Farben ist also in der Natur vielfältiger, reichhaltiger und auch anders.
Zusammenfassend: Die Kamera macht ein technisch-physikalische Abbildung, während unser Auge eine von Gehirn interpretierte Version der Wirklichkeit sieht.
„Jede Farbe, die Menschen sehen, entsteht eigentlich in ihrem Kopf, wozu das Licht unabdingbar ist. Ohne Licht können wir keine Farben wahrnehmen.
Wasserlandschaften beeinflussen unser Wohlempfinden., ist "Balsam für die Seele". Wie herrlich ist ein Sprung in einen See, ein Schluck aus einem Bergbach nach einer Wanderung! Um diesen Bergbach geht es heute.

Ein Bergbach entspringt meist in alpinen Höhen. Sein Wasser ist in der Regel kristallklar und eiskalt. (Manchmal auch trüb nach einer Schneeschmelze) Seine hohe Fliessgeschwindigkeit führt Kies, Steine und Geröll mit sich.
Unser heutiges Aquarell ist aus der Erinnerung entstanden. Es behandelt das Thema Wasser und ist die Fortsetzung meines Beitrages vom 27. Januar 2026. Die Serie Wasser begann mit "Stilles Wasser". Heute geht es um "bewegtes Wasser".
Anleitung für Bergbach:(Obwohl wir hier schon fast von einem Flüsschen reden sollten)
Folgende Farben sind verwendet worden: Kobalt Blau, Ultramarin Blau, Pariser Blau, Indigo, Lichter Ocker, gebr. Siena, Zitronen Gelb und etwas Umbra Natur.

Wir beginnen mit einer losen Zeichnung mit zartem Kobalt Blau, wobei wir den Verlauf des Wassers festlegen.

Den Malgrund sehr gut anfeuchten. Das Papier muss saugfähig sein. Anschliessend das obere Drittel mit einer Lasur Kobalt Blau überziehen, dabei einen Spalt Lichter Ocker einfügen um Sonnenlicht anzudeuten.

Nun die Wiesenlandschaft mit Lichter Ocker grundieren. Dabei die Ränder des Bachbettes verstärken.

Den Fluss des Wassers mit Kobaltblau malen. Einige Stellen weiss lassen. Dann im Hintergrund die Bäume einfügen mit einer Mischung aus Indigo und wenig Lichter Ocker.

Die Baumstämme links im Vordergrund und rechts weiter hinten andeuten, grobe Steine ins Bachbett einfügen.

Wiese und Laub der Bäume mit Mischungen aus Lichter Ocker, Zitronen Gelb und unterschiedlichen Blautönen malen.

Baumstämme herausarbeiten in dem man die Schattenbereiche dunkler gestaltet, im Vordergrund das Gras andeuten.

Dem Wasser Konturen verleihen aus unterschiedlichen Blaumischungen. Die Spiegelungen im Wasser nehmen die Farben der Umgebung auf.
Unser Bergbach auf dem Bild hat schon eine ruhigere Gangart eingelegt. Still durchfliesst er die Wiesen, nimmt gemächlich Fahrt auf.

Zum Schluss die Steine ausarbeiten mit unterschiedlichen erdfarbenen Farben wie z.B. Lichter Ocker, Gebrannte Siena, Umbra Natur).
In seinem „Gesang der Geister über den Wassern“ verglich Johann Wolfgang von Goethe die menschliche Seele mit dem Element:
„Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser! Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind!“.
Gutes Gelingen
Gruss Katharina



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