Aquarell-Landschaft in Blau
- Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
- 14. Nov.
- 3 Min. Lesezeit
Anleitung für eine fiktive Landschaft für Anfänger

Übung für Anfänger
Oktobersturm
Schwankende Bäume
im Abendrot –Lebenssturmträume
vor purpurnem Tod –
Blättergeplauder –
wirbelnder Hauf
nachtkalte Schauder
rauschen herauf.
Christian Morgenstern
Landschaften in Aquarell sind so beliebt, weil das Medium einzigartige Eigenschaften besitzt, die sich perfekt eignen, um natürliche Szenen und Stimmungen darzustellen. Dazu kommt die historische Entwicklung der Aquarellmalerei, in der die Landschaft eine zentrale Rolle spielte.
Die Transparenz und die Leuchtkraft der Farben sind ideal für die Darstellung von Naturmotiven. Sie verleihen ihnen einen besonderen Glanz. Die wasserbasierten Farben erlauben fliessende Farbverläufe
Das weiße Papier, das durchscheint, kann als Lichtquelle genutzt werden, um leuchtende und atmosphärische Effekte zu erzielen. Dies ist ideal, um die wechselnden Lichtverhältnisse in der Natur einzufangen.


Aquarelle von König Charles
Selbst König Charles ist ein Liebhaber der Landschaftsmalerei mit Aquarellfarben.
Der Aufenthalt in der Landschaft bringt uns der Natur näher. Sie weckt Erinnerungen und Emotionen in uns. Wir kennen das aus der Fotographie. Wer eine Stimmung festhalten will, benutzt in der Regel eine Kamera. Wer sie in sein Gedächtnis einbrennen will, malt sie.
Das sind nur Beispiele für die Beliebtheit der Landschaftsmalerei im Aquarell.
Mein heutiger Beitrag hat praktischere Gründe. Er behandelt das Aquarellieren einer Landschaft in Blautönen, da ich glaube, dass es Anfängern leichter fällt, sich auf wenige Farben zu konzentrieren.
Warum die Farbe Blau?
Die Reduktion auf eine einzige Farbfamilie lenkt nicht ab von der Vielfalt der Eindrücke.
Die Elemente werden auf ihre rein geometrische Form reduziert.
Der Blick des Betrachters konzentriert sich auf das Wesentliche, statt sich in Details zu verlieren.
Zudem hat Blau die Eigenschaft, in den Hintergrund zu treten, was ein Gefühl von Weite erzeugt und beruhigend wirkt.
Feine Schattierungen und weiche Übergänge zwischen den einzelnen Blautönen lassen die Elemente der Landschaft verschmelzen.

Ein fiktives, weisses Haus inmitten eines Waldes ist unser heutiges Motiv.
(eine Übung in der Grösse 14,5 x 10 cm).
Nehmt euch ein wenig Zeit für die Übung. Auch wenn sie einfach erscheint, so ist etwas Konzentration vonnöten.
Verwendete Farben: Kobalt-Blau, Ultramarin-Blau, Indigo, wenig gebrannte Siena

Wir beginnen mit einer lockeren Zeichnung, um das Motiv zu platzieren. Dabei achten wir darauf, dass es als zentrales Element sofort den Blick des Betrachters auf sich zieht. Dazu gibt es verschiedene Techniken, auf die ich in einem späteren Bog-Eintrag einmal eingehen werde.
In diesem Fall wird das Hauptmotiv das einzige Element sein ohne Farbe. Ich wende die «Drittregel» an, um eine dynamischere Komposition zu schaffen. Das heisst, ich rücke mein Motiv aus der Mitte und platziere es in das linke, obere Drittel.
Nun feuchte ich die Oberfläche gut an, wobei ich das Haus ausspare.

Ich überziehe das Papier grosszügig mit einem hellen Kobalt-Blau. Einzig das Haus bleibt ohne Farbe. Der starke Kontrast lenkt die Aufmerksamkeit auf mein Motiv.

Für den Wald trage ich eine Lösung Ultramarin-Blau auf, die ich zügig über die, inzwischen getrocknete Fläche verteile. Mit dem Ende eines Pinsels ziehe ich einige Baumstämme aus der noch feuchten Farbe in den Hintergrund. Dabei lasse ich neben dem Haus auch den Zaun aus. Sie sollen den Blick auf das Motiv leiten.

In die noch feuchte Farbe gebe ich eine kräftigere Mischung aus Ultramarin-Blau mit Indigo, womit ich die Konturen des Hauses weiter hervorhebe und Tiefe entsteht.
Um ein Gelingen zu erreichen, muss in diesem Fall schnell gearbeitet werden.

Ist die Farbe leicht getrocknet beginne ich mit dem Herausarbeiten der Baumstämme.(linke Seite) Dazu feuchte ich einen feinen Pinsel an und entferne die Farbe an einigen Stellen und tupfe sie mit einem trockenen Papiertuch ab. Dies wird als «Lifting» bezeichnet.

Ausschnitt
Einen Baum setze ich mit Absicht etwas in den Vordergrund. Auch er vertieft die Räumlichkeit.

Der Vordergrund erhält etwas Farbe, wozu ich der zarten Kobalt-Blau-Lasur eine Spur Gebrannte Siena zugebe, die ich auch für das Hausdach, Fenster und den Kamin verwende.

Zum Schluss betone ich den Zaun mit Kobaltblau, damit er weniger präsent scheint und die seitliche Hausfront. Setze ich Licht und Schatten gezielt ein, erzeuge ich Dreidimensionalität.
Ich hoffe, ich konnte euch anregen zu einem Versuch. Aquarellieren ist etwas vom Schönsten und weniger schwierig, als allgemein angenommen wird. Es müssen ja nicht immer grosse Kunstwerke entstehen. Pinsel, Farbe und Wasser sind immer vorhanden. Das macht es allen möglich und trägt viel zur Entspannung bei.
Sollten Fragen anfallen zu dieser Übung, so wendet euch ungeniert an mich.
Folgende Aquarelle zu diesem Thema haben die Malfrauen an einem Nachmittag geschaffen und ich habe die Erlaubnis, sie euch zu zeigen:




Gruss Katharina



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