Aquarell-Eine malerische Reise
- Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
- vor 2 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
mit Mal Anleitung zum Titelbild

In meinem Bücherschrank befindet sich ein Bildband mit dem Titel
«Der Rhein - Eine malerische Reise vor 150 Jahren».
Er beinhaltet Abbildungen, die den Verlauf des Rheins von seiner Entstehung im Taletschertal (CH) bis Rotterdam (Nl) im 18. Jahrhundert dokumentieren, herausgegeben vom Verlag Bruckmann in München 1982.
Die kleinen, farbig gouachierten Umrissradierungen von Johann Ludwig Bleuler zeigen den Verlauf des Flusses, Orte, die er besuchte und malerisch festhielt. Es ist eine Reise rheinabwärts.
Ich werde ab heute, hin und wieder, Ansichten aus diesem Bildband zeigen und sie mit kleinen Texten daraus «untermalen». Zusätzlich dient das Titelbild als Vorlage für ein etwas vereinfachtes Aquarell. Damit will ich auf die etwas ausgefallene Farbgebung eingehen.

Johann Ludwig Bleuler war ein Schweizer Maler und Verleger. Er besass eine weltbekannte Malschule im Schloss Laufen am Rheinfall, gegründet von seinem Vater Johann Heinrich Laufen um 1788 in Feuerthalen. Diese Institution entwickelte sich zu einem Zentrum für Vedutenmalerei.
Veduten sind Ansichten einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes mit dem Ziel der Wiedererkennbarkeit. Das heisst nicht, dass es die Künstler in ihrer Darstellung zur Wahrheit zwingt. Auch hier dürfen sie Personen und Gegenstände ins Bild importieren, die ihrer Fantasie entsprechen. Entstanden ist diese Form der Landschaftsmalerei im 17. Jahrhundert.
Der unbestrittene Meister in der Vedutenmalerei ist Canaletto.

Bernardo Bellotto genannt Canaletto: Schloss Nymphenburg bei München, ca. 1761
Zahlreiche Arbeiten von ihm zeigen die Stadt Venedig mit ihren Einwohnern. Canalettos Zeichnungen bestechen durch ihre akribische, detailreiche Ausführung und Perfektion in der Raumwiedergabe. Hierin lässt sich seine Herkunft als Bühnenbildner nachvollziehen.

Bernardo Francesco Paolo Ernesto Bellotto wurde am 20. Mai 1722 in Venedig als Sohn des Gutsverwalters Lorenzo Antonio und der Fiorenza Domenica geb. Canal als viertes von fünf Kindern geboren.
Das besondere an Bellottos Maltechnik war seine fotorealistische Malweise. Die Darstellung seiner Bilder war akribisch detailliert. Um diese Präzision zu erreichen, benutzte er als Hilfsmittel eine Camera obscura. Kühle Farbtöne - starke Licht-Schatten-Kontraste steigerten die Wirkung. Ein unnatürlich tiefer Horizont bestimmte die Bildkomposition.
Die liebevolle Detailgenauigkeit ist etwas, das mich auch an den Bildern von Johann Ludwig Bleuler fasziniert. Die Biedermeierzeit war eine Epoche des Umbruchs. Nach den napoleonischen Unruhen folgte ein Bedürfnis nach Behaglichkeit und Frieden, Häuslichkeit, Blumen und Gärten, ja die Natur allgemein. Sie vermittelte dieses Gefühl der Sicherheit. Cafés und Salons spriessten aus dem Boden.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entbrannte in Europa das Reisefieber. Man befasste sich intensiver mit der Landschaft, schrieb Reiseberichte, erstellte Landschaftsskizzen, eroberte mittels Dampfschiffen die Flüsse und Seen. Die Nachfrage nach Abbildungen von Landschaften war gross. Viele Maler stiegen in diese Bresche ein.
Hier fand Bleuler mit seinen kolorierten Radierungen eine Nische und machte sie einem breiten Publikum zugänglich. Seine kleinformatigen Bilder waren preislich erschwinglich und bald in vielen Haushalten anzutreffen. Sie vermittelten eine Leichtigkeit.
Auch der englische Maler William Turner hatte die Absicht, 36 Rheinansichten zu veröffentlichen, nahm aber Abstand von seinem Vorhaben, da sein Verleger und Drucker bereits T. Sutherland und Ch. G. Schütz damit beauftragt hatte.


Zurück zu den Ansichten des Rheins von Johann Ludwig Bleuler und ein paar allgemeine Informationen über diesen Fluss, der sich durch ganz Deutschland zieht.
Der Rhein ist ein 1232,7 km langer Strom in West- und Mitteleuropa und eine der verkehrsreichsten Binnenwasserstraßen der Welt. Das Quellgebiet des Rheins liegt überwiegend im Schweizer Kanton Graubünden, seine Mündungsarme erreichen in den Niederlanden die Nordsee, deren wasserreichster Zufluss er ist. Wikipedia
Bild 1 des Bildbands: Quelle des Rheins

Der Vorderrhein entsteht aus dem Zusammenfluss von Bergbächen und Seen, die nordöstlich des Gotthards zusammenfliessen.
Hierzu schreibt Albrecht von Haller, 1729:
Wenn Titans erster Strahl der Gipfel Schnee vergüldet
Und sein verklärter Blick die Nebel unterdrückt,
So wird, was die Natur am prächtigsten gebildet,
Mit immer neuer Lust von einem Berg erblickt.
Durch den zerfahrnen Dunst von einer dünnen Wolke
Eröffnet sich zugleich der Schauplatz einer Welt,
Ein weiter Aufenthalt von mehr als einem Volke
Zeigt alles auf einmal, was sein Bezirk enthält;
Ein sanfter Schwindel schliesst die allzu schwachen Augen,
Die den zu breiten Kreis nicht durchzustrahlen taugen.
Ein angenehm Gemisch von Bergen, Fels und Seen
Fällt nach und nach erbleicht, doch deutlich, ins Gesicht,
Die blaue Ferne schliesst ein Kranz begrenzter Höhen,
Worauf ein schwarzer Wald die letzten Strahlen bricht;
Bald zeigt ein nah Gebürg die sanft erhobnen Hügel,
Wovon ein laut Geblök im Tale widerhallt;
Bald scheint ein breiter See ein meilenlanger Spiegel,
Auf dessen glatter Flut ein zitternd Feuer wallt;
Bald aber öffnet sich ein Strich von grünen Tälern,
Die, hin und her gekrümmt, sich im Entfernen schmälern.
Dort senkt ein kahler Berg die glatten Wände nieder,
Den ein verjährtes Eis dem Himmel gleich getürmt,
Sein frostiger Kristall schickt alle Strahlen wieder,
Den die gestiegne Hitz`im Krebs umsonst bestürmt.
Nicht fern vom Eise streckt voll futterreicher Weide
ein fruchtbares Gebürg den breiten Rücken her;
Sein sanfter Abhang glänzt von reifendem Getreide,
Und seine Hügel sind von hundert Herden schwer,
Den nahen Gegenstand von unterschiednen Zonen
Trennt nur ein enges Tal, wo kühle Schatten wohnen.
Hier zeigt ein steiler Berg die mauergleichen Spitzen,
Ein Waldstrom eilt hindurch und stürzet Fall auf Fall.
Der dick beschäumte Fluss dringt durch des Felsen Ritzen
Und schiesst mit gäher Kraft weit über ihren Wall.
Das dünne Wasser teilt des tiefen Falles Eile,
In der verdickten Luft schwebt ein bewegtes Grau;
Ein Regenbogen strahlt durch die zerstäubten Teile
Und das entfernte Tal trinkt ein beständig`s Tau.
Ein Wanderer sieht erstaunt im Himmel Ströme fliessen,
Die aus den Wolken fliehn und sich in Wolken giessen.

Ich habe beschlossen, das Titelbild 1 des Bildbandes in Aquarell umzusetzen, ohne auf die reichhaltigen Einzelheiten einzugehen.
Anleitung zu dieser Vorlage:

Wenn wir dieses Bild betrachten fällt auf, dass sich über fast die gesamte Fläche ein gelblicher Farbton legt. Es ist dieses Neapel Gelb, dass auch Canaletto in seinen Venedig Ansichten häufig benutzte. Bevor ich beginne erstelle ich eine Zeichnung und platziere die Häuser.

Ich befeuchte mein Aquarellpapier, um den Verlauf der Farbe zu vereinfachen. Mit einer wässrigen Lösung Neapel Gelb überziehe ich den Himmel, beim oberen Rand beginnend abwärts. einschliesslich der Mitte des Flusses. Die rein blauen Stellen des Wassers lasse ich aus. Der rechten Seite des Himmels füge ich eine Spur Karminrot bei.

Mit einer zarten Mischung aus Ultramarin Blau und gebrannter Siena male ich die Bergkette, wobei ich der hinteren mehr Wasser und eine Spur Berg Blau zufüge. Wir wissen ja bereits, dass mit zunehmender Entfernung die Objekte unschärfer und kühler erscheinen auf Grund der Luftperspektive. Atmosphärische Partikel, wie Staub und Feuchtigkeit, streuen das Licht. Den unteren Rand der Berge betone ich mit etwas gebrannter Siena. Nun lass ich die Farbe trocknen.

Nun befasse ich mich mit dem Wasser und trage die Farben Ultramarin, Berg Blau und Kobalt Blau zügig auf das Papier. Ich mische sie nicht, sondern trage sie direkt auf. An manchen Stellen lasse ich sie ineinanderlaufen.

Für die Boote verdunkle ich gebr. Siena mit einer Spur Ultramarin. Für die Segelleinen, den Wimpel und die Besatzung der Boote verwende ich Indigo.

Fertigstellung.
Eine zarte Graumischung aus Kobalt Blau und gebr. Siena verwende ich für die Häuser im Vorder-und Hintergrund. Die gleichen Farben sind im steinigen Ufer zu finden. Bitte die Schatten der Boote auf dem Wasser nicht vergessen!
Sollten Fragen auftauchen, so habt keine Scheu.
Gruss Katharina



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