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Aquarell-Eine malerische Reise Teil 2

  • Autorenbild: Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
    Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
  • vor 5 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

mit Anleitung für ein fiktives Bergmassiv


Bild 2 im Bildband zeigt die Ansicht des Klosters Disentis und seiner Umgebung am Zusammenfluss von Vorder-und Mittelrhein.
Bild 2 im Bildband zeigt die Ansicht des Klosters Disentis und seiner Umgebung am Zusammenfluss von Vorder-und Mittelrhein.

Von Sils aus sieht man Thusis am Ausgang der Via Mala liegen, wo die Nolla in den Hinterrhein fliesst. Im Vordergrund rechts erkennt man den Maler Johann Ludwig Bleuler mit zwei Mönchen.



In meinem Beitrag vom 2. Februar 2026 berichtete ich über einen Bildband aus dem 19. Jahrhundert mit dem Titel "Eine malerische Reise vor 150 Jahren" (Originaltitel " Voyage pittoresque des bords du Rhin et de la Suisse" ), in dem Veduten der Rheinlandschaft abgebildet sind. Veduten sind wirklichkeitsgetreue Abbildungen von Landschaften, wie sie in der Tradition der Schweizer Kleinmeister damals beliebt waren.

Die malerische Reise des schweizer Künstlers Johann Ludwig Bleuler geht heute weiter mit der Abbildung 2 aus diesem Bildband.



Als Johann Ludwig Bleuler seine malerische Reise startete ahnte er nicht, dass er mit seinen kolorierten Umrissradierungen einst sogar Goethe begeistern würde. Topografisch genau und wirklichkeitsgetreu hat er den Verlauf des Rheins in seinen Veduten festgehalten. Auf romantische Übertreibungen, wie wir sie damals häufig in den Darstellungen vieler englischer Maler finden, verzichtete er. Er benutzte kräftige und heitere Permanentfarben.

In der Technik der gouachierten Umrissradierung verlieren die Bilder ihren graphischen Charakter und sind kaum von der Gouache Malerei zu unterscheiden. Seine Landschaften zeigen die Wirklichkeit, menschlich und manchmal heiter.

Bleulers Malschule beherrschte diese Technik

Ausgebildet als Porzellanmaler in der Manufaktur im Schooren bei Kilchberg war er an qualitativ hochstehendes Arbeiten gewöhnt. Heutzutage ist dies in der Aquarellmalerei nicht mehr zeitgemäss, was ich einerseits bedaure, anderseits aber begreife. Um Bilder mit solcher Detailgenauigkeit herzustellen, benötigt man Zeit und Geduld.


Im Altertum wurde der Rhein als Gott verehrt. Noch im 19. und 20. Jahrhundert sah man in ihm den "heiligen Strom". Die Verklärung ist einer Nüchternheit gewichen. Heute macht der Rhein keine politischen Schlagzeilen mehr. Ökologisch ist er mittlerweile ein Sorgenkind. Der leichtfertige Umgang mit seinen natürlichen Ressourcen hat zu Überschwemmungen und Chemie - Unfällen geführt.


Der Kölner Kunsthistoriker und Bibliotheksdirektor Horst Johannes Tümmers hat sich aufgemacht, den Rhein von seiner Quelle bis zum Delta zu erwandern um einen Erlebnisbericht darüber zu schreiben. Das Bild, das er darin zeichnet, ist weder romantisch noch idyllisch. Die Ufer des Rheins sind über weite Strecken von Industrieanlagen entstellt. Besonders betroffen ist der Mittelrhein, wobei der Massentourismus eine Teilschuld hat an dieser Misere.


Ich habe mich bemüht, einen optischen Vergleich zu finden zwischen der romantischen Landschaft Johann Ludwig Bleulers und den heutigen Gegebenheiten.

Das Kloster Disentis steht immerhin noch.

















Ansicht vom Kloster heute


Ansicht vom Kloster, gemalt von Bleuler




Johann Gottfried Ebel (1764–1830) war ein deutsch-schweizerischer Arzt, Naturforscher und ein Pionier des modernen Tourismus. Bekannt wurde er vor allem durch seine detaillierte „Anleitung auf die nützlichste und genussvollste Art in der Schweiz zu reisen“ (1793), die als erster echter Reiseführer für das Land gilt.

Johann Gottfried Ebel hatte vor allem eine Vorliebe für den Kanton Appenzell, den er mehrmals bereiste. Durch seine enthusiastischen Schilderungen von Land, Leuten und Bräuchen löste er besonders in Deutschland eine Welle der Begeisterung für das Appenzellerland aus.

Ab 1810 lebte er in Zürich, wo er wissenschaftliche Studien betrieb.


Er schrieb in diesem Buch zu dieser Abbildung:


"Man bereise nicht in grosser Gesellschaft die Hochgebirge der Schweiz; zwei bis drei Personen höchstens. In den seltener besuchten Gegenden finden sich in den Gasthäusern nur wenige Better, und in manchen abgelegenen Thälern muss man aus Mangel von Herbergen die Gastfreundschaft des Pfarrers ansprechen...

Ehe man sich einem gefährlichen Schritt aussetzt, sehe man sich an dem Abgrunde recht satt, bis dessen ganze Wirkung auf die Einbildungskraft erschöpft ist; und man ihn ganz gleichgültig betrachten kann. Zu gleicher Zeit muss man den Weg, welchen man halten will, studieren, und sich den zu machenden Schritt vorzeichnen. Alsdann denkt man nicht mehr an die Gefahr, und ist nur beschäftigt, den sich vorgezeichneten Weg zu machen. Im Fall dass sich das Auge aber nicht an den Abgrund gewöhnt, so stehe man von seinem Vorhaben ab. Denn ist der Weg schmal, so kann sich der Blick auf den Ort, wo der Fuss hingestellt werden soll, nicht richten, ohne zugleich den Abgrund zu sehen; dieser Anblick erregt Schwindel, und kann, wenn er sich unvermutete darbietet, die Ursache eines Unglücks werden".

Man lasse sich nicht durch das mögliche und bisweilen gefahrlos scheinende Erklimmen eines Felsen verführen, sondern man denke zuvor an die Nothwendigkeit des Herabsteigens; man ende sich um, und betrachte die Abgründe, über welche der Körper beym Heruntersteigen unaufhörlich schwebt.

Man lasse sich in den Hochgebirgen durch einen nahe scheinenden Punkt nicht verleiten, von seinem Hauptwege einen Absprung dahin zu machen; was nur eine Viertelstunde entfernt scheint, ist oft 2 - 3 Stunden weit. In den Gebirgen muss das Auge ein neues Entfernungsmaass lernen...

Man trage ein Stück schwarzen oder grünen Flor bey sich, um es vor die Augen zu binden, wenn man viele Stunden über Schnee gehen muss; ausserdem ist die Blendung unerträglich, wenn die Sonne scheint. Die brennenden Schmerzen im Gesicht, welche nach langen Wanderungen über Schneefelder und Gletscher bey hellem Sonnenscheine von der scharfen Reflexion der Strahlen entstehen, werden gelindert, wenn man sich mit durch Wasser verdünnten flüssigen Alkali wäscht,...

In manchen Gegenden sind die Alpenbewohner äusserst misstrauisch auf jeden Reisenden, den sie zeichnen sehen, welches sie das Land abreissen nennen. Wo man dies bemerkt, unterlasse man es sogleich, um sich keinem Verdruss auszusetzen.

Wer zu Pferd durch die Gebirge reist, der verlasse sich gänzlich auf den sicheren Gang seines Rosses; man lasse es nur gehen, wie es will, ohne es lenken zu wollen. Die Maulthiere und Pferde in den Gebirgen werden zu Transport der Waaren gebraucht; sie gehen daher auf den Felsenwegen beständig, sind sie durchaus gewohnt und kennen sie genau. Es ist zum Erstaunen, wie sie klettern können, und wie sicher, fest und genau sie gehen. Da sie meistens als Packpferde gebraucht werden, so sind sie des Zaums und des Lenkens ganz ungewohnt; deshalb legt man ihnen auch keinen an, wenn sie zum Reiten gebraucht werden. Man bekömmt daher im Allgemeinen nichts in die Hand, als einen Strick, der durchs Maul des Rosses geht, oder eine elende Halfter. Die Gebirgswege laufen öfters dicht an hohen Felswänden fort; da nähern sich die Pferde fast immer dem Rande der Strasse, weil sie, gewöhnlich mit Gepäck beladen, gezwungen sind, so zu gehen, damit sie nicht an die Felsenwand anstossen...

Wer in der Schweitz auf eine angenehme und nützliche Art reisen will, der lasse alle Vorurtheile des Ranges und Standes, allen Stolz und alle Forderungen der Eitelkeit zu Hause, und bringe bloss den Menschen mit. Wer dies thut; wer Jeden, dem man auf seinen Wegen begegnet, und überhaupt alle Welt freundlich grüsst, vertraulich mit den Leuten sich ins Gespräch einlässt, ihre neugierigen Fragen natürlich beantwortet, und in seinem ganzen Betragen fühlen lässt, dass man nichts weiter seyn will, als was der andre ist, Mensch, so wird man in den Schweitzern so viel Güte, Herzlichkeit, Treue, Biederkeit und wahrhafte Dienstgeflissenheit mit der höchsten Natürlichkeit verbunden finden, als gewiss bey keiner anderen Nation Europa`s. Nur der Fussreisende kann die Nation recht kennen lernen.



Ausschnitt aus dem Bild 2
Ausschnitt aus dem Bild 2

Mich faszinieren die sanften Blautöne mit denen Bleuler die hügelige Landschaft colorierte. Die Staffelung lässt sie nicht nur zarter werden, sondern auch kühler in ihrem Farbton je weiter entfernt sie sind.


Die Bergkette habe ich zum Anlass genommen, eine Aquarell-Studie anzufertigen. Hier ist die Anleitung für ein fiktives Bergmassiv in Ultramarine Blau und einer Spur Indigo:



Mit einem spitzen Pinsel und einer wässrigen Lösung Ultramarin Blau zeichne ich die Umrisse einiger Bergspitzen und coloriere in groben Zügen die Schattenpartien.



Dann arbeite ich mich "Fels für Fels" vor und modelliere so die Felsformation. Ich hebe die Schneefelder hervor, indem ich die Schattenbereiche an diesen Stellen vertiefe. Am rechten Bildrand habe ich mit einem feuchten Schwamm Farbe entfernt, um Wolken zu simulieren.


Die romantische Reise von Johann Ludwig Bleuler wird in Kürze weitergehen.


Gruss Katharina

 
 
 

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