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  • Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden

Homeschooling-Portrait Teil 5

Aktualisiert: 23. Feb. 2023

Der Mund in der Kunst- mit Anleitung in Aquarell

Piotr Uklanski "Gaumenzäpfchen" (zu sehen im Kunstmuseum Wolfsburg)



Eine Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg, DE, zeigt unter dem Titel "In aller Munde" insg. 250 Bilder und Objekte von "Pieter Bruegel" bis "Cindy Sherman“.


Vergangenen Sommer war noch von gut 150 Exponaten die Rede, mit denen sich von Albrecht Dürer bis zu den zart gemalten Körperteilen von Vivian Greven der Mund mitsamt seiner dunklen, geheimnisvollen Höhle erkunden ließe. Nun sind es gut 250 Beiträge. Darunter dentale Instrumente aus der Vergangenheit (von denen einige dem Berliner Performancekünstler John Bock gehören), Assemblagen wie „Achat de Vieux Dentiers“ von Daniel Spoerri, der zum Testen ausrangierter Gebisse einlädt, die man nicht mal in die Nähe des eigenen Mundes kommen lassen möchte. Zahlreiche aktuelle Werke von Berliner Künstlern wie Isa Melsheimer, Bernhard Martin, Barbara Steppe, Birgit Dieker oder Lisa Junghanß sind dabei. Und historische Höllenbilder wie das des Genremalers Egbert van Heemskerck d. J., der um 1700 Martin Luther ins Fegefeuer schickt – durch ein weit geöffnetes Maul des Teufels.

Wikipedia


Der Mund als Pforte disparater Erfahrungen: schmerzlicher, sinnlicher, politischer, schrecklicher, komischer und viraler hat schon in der Vergangenheit zahlreiche Künstler inspiriert. Auch heute ist dieses Thema aktuell, denke ich an das Tragen der Maske, die unseren Mund vor dem Corona Virus schützen soll.

Ein Künstler, der dem Mund in seinen Werken eine grosse Bedeutung beigemessen hat ist Francis Bacon. In seinen Bildern von schreienden Päpsten rebellierte er gegen die Demütigung, die er von Seiten seiner Familie erfuhr. Sein Zorn gegen den eigenen Vater, der ihn auf Grund seiner sexuellen Haltung aus dem Haus warf, sowie gegen eine Welt, deren Ordnung auf den Fundamenten des christlichen Abendlandes errichtet war und vom Papst repräsentiert, veranlasste ihn zu diesen Werken.


Dazu bemerkte er einst:

„Ich versuche, Bilder zu machen, die so genau wie möglich meinem Nervensystem entnommen sind. Wir leben fast ständig hinter Schutzschirmen – eine abgeschirmte Existenz. Ich denke manchmal, wenn Leute sagen, mein Werk wirke gewalttätig, könnte es mir vielleicht gelungen sein, ab und zu einen oder zwei der Schleier oder Schutzschirme wegzunehmen.“


Neben Piotr Uklanski fasziniert der Künstler Benjamin Houlihan die Besucher im Museum von Wolfsburg. Er pinselt mit der Zunge und Quark, die er mit Lebensmittelfarbe einfärbte.

"Die Arbeit ist kein Zuckerschlecken", bemerkt er dazu. "Man ist die ganze Zeit mit dem Körper am Arbeiten, die Zunge wird gefordert".


Benjamin Houlihan bei der Arbeit



Ich möchte heute aber nicht zu sehr auf die vielen Interpretationen eingehen, sondern den Mund mit seinen Lippen zeichnerisch angehen.


"Rote Lippen sind zum Küssen da" heisst es in einem Schlager von Cliff Richard und "Dein Mund ist eine Kussfabrik" singen die Musik Apostel. Die Lippen sind also unentbehrlich für menschliche Kommunikation. Zusammengesetzt werden sie aus der Oberlippe sowie der Unterlippe. Das Volumen der Lippen variiert von Schmallippen zu sog. Schlauchbootlippen, wie man die künstlich aufgespritzten Lippen nennt, die das Idealbild des Mundes in den letzten Jahren veränderte.

Schon ab dem 20igsten Altersjahr werden an den Lippen erste Veränderungen sichtbar. Die Lippen werden weniger voluminös, es bilden sich die sog. Plisseefalten.


Der Formenreichtum des Mundes ist gross. Meist ist die Unterlippe etwas voluminöser als die Oberlippe.












Auf den beiden Darstellungen oben sieht man links die schmalere Lippenform eine älteren Menschen, rechts die voluminöse Form.


Das Philtrum, wie man die Längsrille zwischen Nasensteg und Oberlippe bezeichnet, geht über in den Amorbogen.

Der Amorbogen stellt das Herz in der Mitte der Oberlippe dar. An den beiden höchsten Punkten trifft die Oberlippe auf das Philtrum.


Anleitung für eine Aquarellstudie:

  1. Zeichne die Lippenkonturen leicht vor.


2. Lege dann einen hellen Farbton auf die Oberlippe. Lass dabei in der Mitte ein Glanzlicht stehen.




Für die Unterlippe nimm den gleichen Farbton, aber helle ihn auf.



3. Mit einem sauberen, feuchten Pinsel verbinde die Aussenseiten der Lippen mit dem Mittelteil. So entsteht ein mittlerer Ton.






4. Nach dem Trocken kannst du einzelne Partien intensivieren. Gib der Oberlippe einen dunkleren Ton, den du teilweise über die Unterlippe ziehst.





5. Entschärfe die Trennungslinie von Ober - und Unterlippe.





Manche Munddarstellungen wirken eingefroren, wenn sie zu korrekt dargestellt werden. Lass dem Zufall Raum.




Auch die Darstellung eines Mundes muss geübt werden. Macht zu Beginn mehrere separate Versuche. Nehmt keinen zu kleinen Pinsel.


Die obigen Darstellungen sollen allen Interessenten eine Hilfestellung sein. Mit den Malfrauen meines Unterrichts werde ich diese Übungen am kommenden Mittwoch machen.



Zum Schluss noch eine weitere Variante, was man mit ein wenig Farbe und dem Mund zaubern kann.

Die Künstlerin Laura Jenkinson aus London bemalt ihre eigenen Lippen mit Comic Figuren, die durch Mundbewegungen zum Leben erweckt werden. Mittels Spiegel trägt sie die Theaterschminke direkt auf ihr Gesicht auf.





Eine hübsche Idee, finde ich.

Katharina



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