• Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden

Homeschooling-Aquarell

Aktualisiert: 20. Dez 2021

Nachtstudien


Bild von Vincent van Gogh




"Heilig ist die Sternenzeit, öffnet alle Grüfte,

strahlende Unsterblichkeit wandelt durch die Lüfte."


Gottfried Keller (1819 - 1890) Schweizer Dichter und Romanautor





Landschaften sind in der Nacht besonders reizvoll und fordern jeden Künstler heraus. Die meisten von ihnen haben sich irgendwann einmal mit nächtlichen Szenen auseinandergesetzt.

Es ist erstaunlich, wie farbenfroh manches Nachtbild daherkommt.

Hier zwei Beispiele von Paul Klee:





Das obere Bild links von "Paul Klee" heisst "Vollmond". Das rechte Bild heisst: Mondaufgang, Sonnenuntergang


Hier ein jüngerer Künstler, "Michael Buthe", der die "Sternennacht" 1987 malte.



Ich vermute, dass die Bilder von diesen Künstlern nicht vor Ort entstanden sind, sondern im Atelier.


Solltet ihr den Versuch wagen, einmal eine nächtliche Szene im Freien in Angriff zu nehmen, achtet auf Folgendes:

Die Formen der Objekte lösen sich auf in der Dunkelheit und ihr schemenhafter Charakter lässt sich oft nur erahnen. Die Farben nächtlicher Szenerien befinden sich im dunklen Bereich. Doch man sollte sich nicht dazu verleiten lassen, sie mit der Farbe Schwarz zu verdunkeln, da sie so ihre Leuchtkraft verlieren. Schatten gibt es in der Nacht höchstens, wenn hell der Mond scheint. Es ist von Vorteil, für die ersten Versuche eine helle Mondnacht zu wählen und eine Wasserfläche, wie ein See oder ein Fluss in der Landschaft, unterstützen die Helligkeit. Denn das Licht des Mondes, welches sich darin spiegelt, schafft einen stimmungsvollen Gegensatz zum Dunkel der Umgebung.

nächtliche Szene in Sternenberg, ZH


Es war eine Nacht, in der sich der Mond nicht zeigte. Nur vereinzelt schauten Sterne durch die dunstige Wolkendecke. Ich verbrachte damals in Sternenberg, im Zürcher Oberland, ein Malwochenende unter der Leitung von Lehrer "Walter Hürlimann". Das Hotel "Sternen" war eine Art Jugendherberge mit winzigen Einzelzimmern und einem grösseren Schlafsaal. In einem Nebenraum befand sich die dörfliche Poststelle. Ein junges Paar hatte erst vor Kurzem die Leitung übernommen. Nach einem feuchtfröhlichen Abend mit Kollegen und Kolleginnen wollte sich der Schlaf bei mir nicht einstellen. Ausserdem versank ich in meiner Matratze bis zu den Sprungfedern, was meinem Rücken nicht gefiel. Von meinem Zimmerfenster aus, im Gasthaus "Sternen", hatte man am Tag eine wundervolle Aussicht über das Zürcher Oberland bis hin zum "Hörnli", der höchsten Erhebung. Es war 0: 30 Uhr, als ich aufstand, meinen Mal Block und die Farben zurechtlegte und den einzigen Stuhl vors Fenster stellte. Mir stand zum Arbeiten lediglich das Licht, welches die Hof Lampe erzeugte, zur Verfügung.


Die Hauptfarbe meines nächtlichen Aquarells ist das Blau in nuancierten Abstufungen. Achtet einmal auf den Himmel, nachdem die Sonne untergegangen ist. Ihre indirekte Helligkeit beeinflusst die Farben immer noch.

Ein Problem bei der Ausführung ist das Licht, welches wir benötigen zum Malen. Wenn man die Arbeitsfläche hell beleuchtet, fällt es den Augen schwer, sich auf das Dunkel draussen einzustellen. Es ist deshalb ratsam, die Farbscala vorher festzulegen.



Als sich meine Augen an die Situation gewöhnt hatten konnte ich auch Farben in der Landschaft ausmachen. Ich wusste ja, was sich hinter den undeutlichen Formen verbarg. Sie bewegten sich vorwiegend im Bereich von Erdtönen, die ich mit Blau abdämpfte. Dabei achtete ich darauf, keine grossen Flächen in Braun oder Schwarz-Blau zu malen, da das Aquarell ansonsten schwer und langweilig wirken würde. Mein Pinsel lief über das Papier und suchte den Malgrund.



Das Hotel "Im Sternen" bestand aus einem Hauptgebäude, in dem sich auch das Restaurant befand und mehrere Nebengebäude. Jedes dieser Häuser hatte eine andere Farbe. Abends brannte Licht in den bewohnten Räumen und erhellte die Umgebung. Selbst der Schweinestall mit seinem roten Dach wirkte dabei freundlich.

Auf dem Bild sind die Treppenstufen, die in die obere Etage führen, leicht angedeutet. Das Licht im Hof ist diffus. Die Farben der Wände habe ich mit Komplementärfarbe vergraut.

Dieses Aquarell machte ich im Atelier nach einem Foto, die abendliche Ansicht von Affoltern am Albis (siehe unten) entstand grösstenteils vor Ort. Ich hatte in meinem Auto eine Vorrichtung installiert, die es mir erlaubte, zu aquarellieren.

Das Schaufenster der Papeterie ist hier die Hauptlichtquelle, die sich auf der Strasse widerspiegelt.


Zürcher Strasse in Affoltern am Albis 1990


Ich wünsche allen eine gute Nacht mit möglichst viel Mondschein und Fröhliche Weihnachten

Katharina














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