Aquarell- eine malerische Reise Teil 5

600.000 Liter Wasser stürzen durchschnittlich pro Sekunde über die Felsen des Rheinfalls, seit er entstand vor etwa 15.000 Jahren. Mit 23 Metern Höhe und 150 Metern Breite ist er, was die Wasserkraft und die - Menge angeht, der grösste Wasserfall Europas. Er ist ein berühmtes Reiseziel, zieht jährlich bis 2 Millionen Besucher an. Selbst Kaiserin Sissi und auch Goethe sollen sich unter den Besuchern befunden haben.
Die malerische Reise entlang des Rheins geht heute weiter mit dem Besuch des Rheinfalls von Schaffhausen. Es wird die letzte Station innerhalb der Schweiz sein, bevor wir sie verlassen und die Grenze zu Deutschland überqueren.
Über die ersten vier Bildtafeln berichtete ich bereits.
1. Vereinigung der zwei Quellen des Vorderrheins
2. Ansicht des Klosters Disentis und seiner Umgebung
3. Ansicht von Thusis mit Umgebung gegen Piz Beverin
4. Insel Mainau im Konstanzer See
Johann Ludwig Bleuler schuf zahlreiche Veduten über den Rheinfall.


Dieses stimmungsvolle Bild vom Rheinfall in der Nacht ist ein gesuchtes Sammlerobjekt und wird über "Koller Auktionen" zum Kauf angeboten.
Der Rheinfall führt im Sommer auf Grund der Schneeschmelze mehr Wasser als im Winter. Doch im Extremsommer 2026 ist der Abfluss pro Sekunde stark gesunken. Noch herrschte keine Wasserknappheit. Aber der Wasserfall zeigte sich stark geschrumpft und freigespülte Felsen dominierten das Bild. Statt eines tosenden Stroms flossen grosse Teile über kahlere, freiliegende Felsen. Auf Grund des heissen Sommers verkam der Wasserfall zu einem Rinnsal.
Die Schaffhauser Nachrichten berichteten einst über eine Frage, die immer wieder von Besuchern des Rheinfalls gestellt würde: „Ist der Rheinfall nachts eigentlich ausgeschaltet?“.
Diese kuriose Frage wird tatsächlich immer wieder von Touristen gestellt. Dahinter steckt oft die Vorstellung, dass ein so gewaltiges Spektakel „künstlich“ oder zumindest reguliert sein müsse – ähnlich wie die Beleuchtung oder kleinere Zierbrunnen in den Städten. Die Antwort der Einheimischen fällt meist humorvoll aus, etwa mit dem Hinweis, dass man den „Stecker“ noch nicht gefunden habe.

Rheinfall von Schaffhausen Sommer 2026
Eine Sage erzählt von einem Fischer, der oberhalb des Rheinfalls einschlief und wundersam den Sturz in die Tiefe überlebte. Übermütig geworden, wettete er, die Fahrt wachend zu wiederholen. Er scheiterte, und der Legende nach ist er dazu verdammt, für immer als Geisterschiff den tosenden Wasserfall hinabzugleiten.
Tagebuch meiner Wanderung durch die Schweiz
von Karl Christian Ludwig Starklopf, 1789–1850
Für heute begnügte ich mich, geradewegs nach Schaffhausen zu gehen, von wo ich denn bald über die Rheinbrücke spazierte, um in dem gegenüberliegenden Örtchen Feuerthalen den Grenadier-Hauptmann Bleuler zu besuchen, welcher mir als ein sehr wackerer Maler in Gouache-Manier von Frankfurt her aufs vorteilhafteste bekannt war.
In seiner Begleitung ging ich heute Morgen durch die Weinberge auf dem linken Fluss-Ufer zum Rheinfall. Als wir vor dem Schlosse Lauffen die Staffeln hinunterstiegen, that ich mir Gewalt an, nicht voreilige Blicke in das Schaumgestrudel hinunter zu werfen, und das Einzelne früher zu sehen, als das Ganze. Die Thür zur Gallerie, an welcher der Fall hinstürzt, wurde aufgeschlossen; ich trat hinau- Allmächtiger Gott! Es ist ein grosser Anblick! In dem Augenblick, als wir hart über dem entsetzlichen, wüthenden, donnernden, weissschäumenden Wellen-Aufruhr standen, zerriss über uns das graue Gewölk, und hellster Sonnenstrahl zauberte mit brennenden Farben den prächtigsten Regenbogen in den aufsprühenden, dampfenden Wasserstaub. Ich würde mich zu versündigen glauben, wenn ich eine Beschreibung wagen wollte.-Wir standen sehr lange auf der Gallerie; und mir war, als müsse nun endlich, endlich eine letzte Woge, ein letztes Schaumgebirge daher donnern-und immer kommt es schneller, unaufhaltsamer durch die Klippen herangewälzt.-Wie man es nur angefangen hat, die Gallerie, deren Stützende Pfeiler mitten in den rasend wegsausenden, durcheinandergepeitschten Schaumwirbeln stehen, hieher zu bauen! Dass nicht der Strom die Balken, die Arbeitsleute und den ganzen Plunder des schwachen Menschenwerks mit einem Ruck weggeschleudert hat! Und dass er es nicht jetzt noch jeden Augenblick thut!-Nachdem wir den Fall noch ganz von oben herab, aus den Fenstern des hochgelegenen Pavillons betrachtet hatten, stiegen wir wieder hinunter und liessen uns quer hinüber rudern, und betrachteten ihn bei den Eisenwerken, deren Hämmer er treiben muss, von mehreren Standpunkten. Hat doch auch hier der Mensch dem furchtbaren Elemente ein Joch aufgezwungen, unter welchen es ihm dienen und sein Eisen schmieden muss. Der Hauptmann erzählte mir, dass vor mehreren Jahren in einem der Gebäude Feuer ausgebrochen sey, und eine mit Kohlen ganz gefüllte Scheure über sechs und dreissig Stunden gebrannt habe.-Hier die beiden Elemente neben einander in der wildesten losgelassensten Wuth aufrasen zu sehen-das muss ein Schauspiel seyn!...
Nachmittags ging ich wieder hinaus zum Rheinfall und beschauete ihn nun, indem der überwältigende Eindruck des ersten Anblicks nun ruhigeren Empfindungen Raum geben musste, fast noch mit grösserem Genusse. Es machte mir Vergnügen, eine bereits heute Morgen mit dem Hauptmann besprochene Idee weiter auszusinnen und auszuspinnen.-Den Rheinfall zu malen, halte ich noch für unmöglicher, als irgend einen anderen Wasserfall- Aber man könnte mehr thun man könnte ihn nachhahmen!...
Nun liess ich mich vom Schlösschen aus gerade gegen den Fall aufwärts so nahe als möglich an den mittelsten von ihm umschäumten Felsen hinrudern. Da war es erst, als wolle er, über solche kecke Annäherung eines schwachen Menschen-Schiffleins erbost, die Felsen zusammenreißen, und Alles über uns hereindonnern, und immer neue Fluthen herbeiwälzen, um uns zu vernichten.-Diesen überwältigenden Anblick machte die glücklichste Abendbeleuchtung göttlich gross-Lange sass ich so im hochschwankenden Nachen gegen die tosende Brandung; und als ich nun scheiden musste, die Abenddämmerung den Strom zu verhüllen anfing, und mich die brausenden Wogen zurückschaukelten, da fühlte ich erst den Schmerz des Abschieds von der Schweiz; da ergriff es mich, als rausche mir der weitherkommende Fluss aus seinen Gebirgen, Gletschern, Seen und Thälern den Scheidegruss zu, mit welchem jene mir aus allen Höhen und Fernen ihr letztes Lebewohl riefen.

Wasserbewegungen malerisch wiederzugeben ist eine Herausforderung und verlangt präzises Arbeiten. In der Vergrösserung ist die Malweise von J.L.Bleuler sichtbarer, die Bewegungen und Gegenbewegungen der Sturzflut erkennbarer. Jedoch entspricht sie nicht der typischen Aquarellmalerei, da den Veduten von Bleuler eine Zeichnung voraus geht. Ich vermute, dass die Gischt der Wellen mit Hilfe von Deckweiss entstanden sind. Gut zu sehen und besonders schön ist, wie das Sonnenlicht sich im Wasser wiederfindet. Dem Deckweiss wurde hier die Farbe Neapel Gelb beigemischt.
"Es ziehen die brausenden Wellen..."
Es ziehen die brausenden Wellen
Wohl nach dem Strand;
Sie schwellen und zerschellen
Wohl auf dem Sand.
Sie kommen groß und kräftig,
Ohn Unterlaß;
Sie werden endlich heftig -
Was hilft uns das ?
Heinrich Heine (1797 - 1856).

Christian Johann Heinrich Heine hat die Weltliteratur nachhaltig geprägt. Sein einzigartiger Erzählstil und seine scharfsinnigen Beobachtungen der Gesellschaft fesselten die Leser. Seine eindrucksvollen Werke und seine poetische Sprache zeichnen sich durch eine fesselnde Mischung aus Romantik, Witz und Gesellschaftskritik aus, weil es Schönheit, Witz und Mut vereint.
Heinrich Heine, ein bedeutender deutscher Dichter, Essayist und Journalist, führte ein faszinierendes Leben, das sein bemerkenswertes Werk prägte. Als Sohn eines jüdischen Kaufmanns entdeckte er nach seinem Jurastudium an der Bonner Universität seine Berufung zum Schreiben. Heinrich hatte einen rebellischen Geist, der sich in seinen späteren Werken niederschlug und seine Leser begeisterte. Im Jahr 1844 erschienenen "satirische Gedichte" „Deutschland. Ein Wintermärchen“,kritisierte er die deutsche Gesellschaft und deren Institutionen mit bissigem Humor. Sein scharfer Verstand und seine politischen Kommentare brachten ihn oft in Konflikt mit den Obrigkeiten, was zeitweise zu Zensur und Verboten seiner Werke führte.
In der Gedichtsammlung „Buch der Lieder“ zeigt sich seine romantische Ader.
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Eines seiner bedeutendsten Werke, die zwischen 1826 und 1831 erschienenen „Reisebilder“, zeugen von Heines scharfsinnigen Beobachtungen während seiner Reisen durch Deutschland, Frankreich und Italien. In diesen Reiseberichten eröffnete er eine neue Perspektive auf die Kulturen, Landschaften und das politische Klima jener Zeit. Heines lebendige Beschreibungen und seine fesselnde Erzählweise ermöglichten es den Lesern, ihn auf eine literarische Reise mitzunehmen.

Heinrich Heine hatte zeitlebens mit persönlichen Problemen und Krankheiten zu kämpfen, die auch in seine Gedichte Sammlung „Romanzero“, einflossen. In diesem Werk widerspiegeln sich seine Emotionen, wie auch eine tiefgründige menschliche Selbstreflexion. Er litt an einer langwierigen, bis heute unter Historikern und Medizinern umstrittenen Erkrankung. Die genaue Ursache seines jahrelangen Leidens und seines Todes am 17. Februar 1856 in Paris ist nicht mit absoluter Sicherheit geklärt.
Seine Schriften fanden Anklang bei Lesern unterschiedlicher Gesellschaftsschichten und gaben den Ausgegrenzten eine Stimme. Sie inspirierten zukünftige Schriftstellergenerationen, wie Thomas Man, Oscar Wilde, Bertolt Brecht und Karl Marx.
Bis demnächst
Gruss Katharina



Danke, liebe Katharina, für den interessanten Bericht! Ich lese Deine Texte immer sehr gern und nehme mir Zeit, die ausgewählten Bilder zu betrachten.