Aquarell-Eine malerische Reise Teil 4
- Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
- 13. Aug.
- 3 Min. Lesezeit

Ich muss gestehen, dass ich noch immer nicht die Insel Mainau besucht habe. Dabei wäre die Entfernung kein Problem.
Die Insel Mainau, bekannt als Blumeninsel im Bodensee, wird oft in regionaler Literatur besungen. Ein passendes, klassisch angehauchtes Gedicht, das die Stimmung einfängt, stammt von Viktor von Scheffel (1826–1886), der die Insel oft besuchte.
Auf der Mainau (Stimmungsskizze)
Vom Schweizerufer weht ein milder Wind,
Der Bodensee in blauen Wellen rinnt.
Auf Mainau prangt der Bäume stolzer Flor,
Erhebt sich grün aus stillen Fluten hervor.
Wo einst der Orden fromme Lieder sang,
Tönt nun der Blütendüfte süßer Klang.
Im Schlossgarten der Rosenpracht sich freun,
Und zwischen Zedern, dunklen, stillen, sehn.
O Eiland, schön und lieblich anzuschauen,
Auf dich mag man sein Herzensglück vertrauen.
Hier schweigt die Welt, hier ruht der Augenblick,
Und bringt dem Wandrer stilles Friedensglück.
von Viktor von Scheffel (nach Motiven)

Viktor von Scheffel war ein bekannter deutscher Dichter, hat das Leben am Bodensee oft literarisch festgehalten, darunter auch die Insel Mainau.
Seine Beliebtheit verdankte er dem Versepos Der Trompeter von Säckingen und dem historischen Roman Ekkehard, die in den 1850er Jahren erschienen, sowie den Studentenliedern der Sammlung Gaudeamus!. Nach dem Ersten Weltkrieg verblasste sein Ruhm.
Die Sprache seiner Episteln und Lieder ist lebendig, witzig, zuweilen selbstironisch, die der Erzählungen an vielen Stellen gewollt altertümelnd. Scheffel war politisch, historisch und philologisch interessiert. Ruheloses Hin- und Herpendeln zwischen dem Elternhaus und – meist an Seen gelegenen – Rückzugsorten bestimmte sein Leben. Die Geselligkeit mit Freunden und das Wandern in der Natur bedeuteten ihm mehr als die ihm öffentlich entgegengebrachte Verehrung als Dichterfürst. Wikipedia

Wenn im Frühling die Tulpen blühen soll sich die Insel in ein farbiges Eldorado verwandeln. Neben der Blütenpracht befindet sich dort ein Arboretum mit mehr als 500 verschiedenen Laub- und Nadelgehölzen, u.a. der Riesen-Mammutbaum. Tausend Rosenstöcke sollen dort wachsen: Palmen, Zitronen - und Orangenbäume. Wenn das kein Grund ist, sie zu besuchen!
Inmitten all der Pracht liegt das Barockschloss der gräflichen Fam. Bernadotte. Eine, mit Blumen gesäumte, kaskadenförmige Treppe führt hinauf zu der U-förmigen Anlage.
Im Jahr 1855 befand sich die Insel Mainau im Besitz des badischen Staates, nachdem sie nach der Säkularisation 1806 ihren Status als Ordensgut des Deutschen Ordens verloren hatte. Die Insel wurde zu dieser Zeit oft verpachtet und diente als landwirtschaftliche Nutzfläche, bevor sie 1853/56 in Privatbesitz überging und Eigentum des Grossherzogtums Baden wurde. Erst im 20. Jahrhundert begann man die Insel zu einer Blumeninsel umzugestalten.

Auch Johann Ludwig Bleuler war von dieser Insel angetan, wie auf der wirklichkeitsgetreuen Darstellung im Bildband "Eine malerische Reise vor 150 Jahren" zu sehen ist. Es ist die 4. Station seiner Reise, und zeigt die Insel im Konstanzersee vom westlichen Ufer des Überlinger Sees aus gesehen.

Eduard Mörikes Gedicht begleitet die Darstellung im Bildband "Der Rhein" vom Verlag Bruckmann München
Idylle vom Bodensee, 1846
Schwebe nunmehr, o mein Lied
Feldwärts auf beweglichen Schwingen!
Erst am hellen Gestade hinab, dann über das Fruchtfeld
Schräge den Wasen hinauf, der gemach ansteiget zum Waldsaum.
Dort, in der Frühe des Hochzeittags, da noch auf den Gräsern
Blinkte der Tau und stärkenden Duft noch hauchte die Erde,
Stand bei den Eichen die holdeste Schäferin, hütend alleine,
Wie sie wohl manchmal tat an der Stelle des älteren Bruders.
Denn längst war sie geübt in den sämtlichen Künsten des Handwerks:
Wusste geschickt den unfolgsamen Stär mit der Schippe zu treffen,
Stiess in das Pfeifchen und schickte mit flüchtigen Worten den Schafhund
Hinter den irrenden Haufen herum, und sie stoben zusammen.
Auch wenn der Bruder den Pferch aufschlug für die Nacht auf dem Felde,
Trieb sie die Pflöck`in den Grund mit kräftig geschwungenem Schlägel.
Doch jetzt haftete ruhigen Blicks ihr Aug`auf der Berge
Morgendlich strahlenden Reihn, die mit scheeigen Häuptern zum hohen
Himmel sich drängen; und jetzo die fruchtbaren Ufergelände
Flog sie entlang, und den herrlich besonnten Spiegel durchlief sie,
Welcher, vom Dunste befreit, schon wärmender Strahlen sich freute.
Hier arbeiteten Fischer im Kahn, dort schwand in die Ferne
Winzig ein Segel, indes, schnell wachsend, ein anderes nahte,
Und noch andre begegneten sich und kreuzten die Wege.
Rauch stieg auf von den Dächern des Dorfs, und irres Getöse
Kam undeutlich herauf von Menschen und Tieren; die Peitsche
Knallt`, und es krähte der Hahn. Doch weit in den blauen Himmel,
Über dem See und über dem wilden Geflügel des Ufers,
Kreiste der Reiher empor, dem Säntisgipfel sich gleichend;
Aber im Walde, zunächst bei der Schäferin, sangen die Vögel.
Die Reise entlang des Rheins endet hier noch nicht. Der nächste Halt findet am Rheinfall von Schaffhausen statt. Vielleicht weckt das ihr Interesse.
Katharina



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