Aquarell-Eine malerische Reise 3 a
- Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden
- vor 16 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Anleitung

Ausschnitt aus der Bildtafel Nr.18 im Buch "Der Rhein" Eine malerische Reise vor 150 Jahren
Bruckmann Verlag München (Fortsetzung des Blog Eintrags vom 22. Mai 2026)

Der Bildband mit den Veduten von Johann Ludwig Bleuler zeigt Ansichten einer Reiseroute rheinaufwärts und durch die Schweiz. Damals wurde diese romantische Route vor allem von den Inselbewohnern entdeckt. U.a. von William Turner, der seinerseits Rheinansichten veröffentlichen wollte.
In einem meiner letzten Blog-Einträge behandelte ich die Ansicht von Thusis mit seiner Umgebung gegen Piz Beverin, Kanton Graubünden, und nahm daraus bereits einen Ausschnitt, den ich in Aquarell umsetzte. Heute folgt ein weiterer Ausschnitt, der mir interessant scheint für eine Umsetzung in Farbe.
Im 19. Jahrhundert war Neapel Gelb eine beliebte Farbe, um das goldene Licht einer Landschaft darzustellen obwohl deren Pigmente nicht lichtecht und leicht giftig waren. Doch mit keinem anderen Gelbton war eine derartige Leuchtkraft zu erreichen, wie man sie in den südlichen Landschaften fand. Vincent van Gogh verwendete diese Pigmente deshalb häufig, da sie preiswerter als Cadmiumgelb waren. Auch die Impressionisten wie Manet, Renoir, Cezanne Francisco Goya und Arnold Böcklin setzten das Neapel Gelb gerne auf ihre Paletten. Das heutige Neapel Gelb, eine Mischung aus den Pigmenten Titan Weiss, Ocker und Rot, ist weniger giftig und auch deutlich kostengünstiger als damals.
Goldenes Licht in der Landschaft (die sog. goldene Stunde) entsteht kurz nach Sonnenaufgang oder vor dem Sonnenuntergang. Dann werden die Schatten länger und weicher, die Landschaften wirken plastischer. Die tiefstehende Sonne strahlt in einem flachen Winkel, wodurch das Licht einen längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegt, bläuliche Anteile gestreut werden und warme, gelb-rote Töne dominieren.
Häufig wirkt das Morgenlicht kühler und ist von Nebel begleitet. Das Abendlicht ist intensiver, wärmer und rötlicher.
Diese Lichtstimmung ist besonders in Herbstmonaten intensiv, da die Sonne auch mittags flacher steht.
In den kolorierten Veduten von Johann Ludwig Bleuler findet man die Farbe Neapel Gelb häufig.

Wie versprochen werde ich heute den 2. Ausschnitt (Links unten im Bild) aus der Landschaft von Thusis mit Umgebung aquarellieren und versuchen, sie annähernd widerzugeben.

Folgende Farben werde ich verwenden: Neapel Gelb, Kobalt Blau, Ocker gebrannt, Siena gebrannt und eine Spur Zitronen Gelb.

Ich zeichne die Umrisse mit zartem Neapel Gelb. Anschliessend überziehe ich das ganze Blatt mit Neapel Gelb, Den Kirchturm und die Häuser lasse ich aus.

Mit unterschiedlichen Mischungen der oben angegebenen Farben arbeite ich mich Schritt für Schritt vor, beginnend beim Kirchturm.

3. Da der Grundton Neapel Gelb ist, befindet sich diese Farbe in allen Objekten, aus-
genommen im Kirchturm und den Häusern.

4. Die riesigen Steine im Vordergrund und die Dunkelheit des Ackers geben dem Bild Tiefe.
Dass mein Aquarell farblich nicht voll identisch ist, liegt u.a. daran, dass ich mit Aquarellfarben schaffte und nicht mit Gouache, wie es die Vorlage zeigt .Gouachefarben wurden früher mit Füllstoffen (Kreide) angereichert, die sie kräftiger erscheinen liessen.
Sich mit den alten Meistern und ihren Werken auseinanderzusetzen ist auch für mich immer lehrreich. Man lernt, sie und ihre Vorgehensweise zu verstehen. Die Detailgenauigkeit ist hier zweitrangig.
Eduard Mörike hat im Jahr 1827 den goldenen Herbst in seinem berühmten Gedicht Septembermorgen verewigt:
Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.
Der schwäbische Dichter Eduard Mörike amtete ab 1834 9 Jahre lang als Dorfpfarrer im lauschig-beschaulichen Cleversulzbach. (heute Neuenstadt am Kocher/ Landkreis Heilbronn im fränkisch geprägten Nordosten von Baden-Württemberg)
Auf Grund von Selbstzweifeln und Konflikten ermatten ihn die überschaubaren Dienstpflichten bald. Liebend gern lässt er sich von Vikaren vertreten und von der Last der Gottesdienstvorbereitung entbinden. (Böse Zungen behaupten, er sei faul gewesen, wenig interessiert an seinem Beruf.) Mit 39 Jahren geht er in Rente, wird Professor am Stuttgarter Katharinenstift, wo er Literaturunterricht erteilt, sog. „Frauenzimmer-Lektionen“.
Dazu kursiert eine kleine Episode: Eine Stunde in der Woche lautet der Auftrag des Katharinenstifts, was darauf schließen lässt, dass er sich nicht überarbeitet hat. Immerhin widerfährt ihm während einer dieser Unterrichtsstunden etwas, was fast als Abenteuer durchgehen kann.
Die Schriftstellerin Isolde Kurz hat davon berichtet, dass es Mörike, während er seinen Schülerinnen Goethes „Iphigenie“ nahebrachte, nach einem Schnupftuch verlangte. Gedankenverloren greift der Dozent hinter sich, kriegt etwas Weißes zu fassen, dessen Stoff ihm merkwürdig grob erscheint. Er schnäuzt in dieses Objekt, versucht es anschließend in der Hosentasche zu versenken, was nur unter Anstrengung glückt. Erst als ihn wenig später erneut ein "Schnäuz Bedürfnis" ereilt, stellt Mörike zu seinem Entsetzen fest, dass er in lyrischer Erregung sein Sacktuch mit der Fenster Gardine verwechselt hat.
Das Biedermeier (ca. 1815–1848) war eine kulturelle Epoche in Deutschland und Österreich, geprägt vom Rückzug ins Private, Familiäre und Idyllische. Der Fokus lag auf häuslicher Gemütlichkeit (Interieur), Musik, Literatur und Geselligkeit in kleinen Runden, Tugenden wie Fleiß und Ordnung.
Nach dem Wiener Kongress 1815 und den napoleonischen Kriegen suchte das Bürgertum Sicherheit und Stabilität, wandte sich von der Politik ab und bürgerlichen Tugenden wie Fleiß und Ordnung zu. Die Epoche endete mit den Revolutionen von 1848, die zu mehr politischem Engagement führten.
Der Herbst, wie im Gedicht beschrieben, ist zum Glück noch weit. Wir wollen zuerst den Frühling und den Sommer geniessen.
Gruss Katharina



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