© 2016 Katharina Proch

Die Farbe Rot

April 23, 2018

 Purpurne Schönheit - in königlichem Gewand-

 Liebe und Tod, Entstehen und Vergehen-

 Aufgetaucht im grünen Meer um darin stolz unterzugehen.

                                                                                       K. P. 2018

 

 

Ein Sonntagsspaziergang in Obfelden führte mich vorbei an einem spriessenden Kornfeld. In diesem saftigen Grün erstrahlte eine einsame rote Tulpe. Sie überragte das grüne Meer, rekte ihre Blüte stolz daraus hervor. Mit ihrer Strahlkraft zog sie meine Blicke auf sich.

Ich fragte mich: "was signalisiert sie mir"? Mit Farben können schliesslich Gefühle und elementare Erfahrungen assoziiert werden.

 

 

Die Farbe < Rot < ist eine der drei Grundfarben und besitzt höchste Intensität und Strahlkraft. Ist sie, wie auf diesem Foto, auch noch umgeben von ihrer Komplementärfarbe > Grün < ist ihre Dynamik nicht zu

überbieten. In der Geschichte der Ägypter ist sie den Königen vorbehalten gewesen. Noch heute kleiden sich in Ländern wie China die Bräute in Rot. In der Symbolik bedeuted sie Kraft, Glück und Reichtum. Es gibt aber auch Länder wo man diese Farbe negativ beurteilt.(in heissen Gegenden) In Italien vermittelt sie zum Beispiel Bosheit und Neid.

 

 

 

 

 

Gerard David war ein niederländischer Maler.

Diese Tafel gehört zu einem Altar, dessen

Bestandteile sich heute in verschiedenen Museen befinden.

Sie war in einer "Kreuztragung" als Pendant Teil der

Innenseite der Altarflügel. Hier kleidet das rote Gewand den Sohn Gottes, eines Königs.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auferstehung

von Gerard David   1460 - 1523

 

 

 

In westlichen Ländern sind unterschiedliche Assoziationen zur Farbe Rot vorhanden.

Hier spricht man von: > Rot werden <

                                      > Rot sehen <

                                      > den roten Faden verlieren >

                                      > ein rotes Tuch für jemanden sein <

                                      > in roten Zahlen stecken <

 

 

          

          Porcia, die sich verwundet

            von Elisabetta Sirani   

            Porcia, die Frau des Brutus, will ihrem Mann beweisen, dass sie Schmerz ertragen, also auch Geheimnisse

            bewahren kann, wie seinen Plan, Cäsar zu ermorden.

 

Elisabetta Sirani stammte aus Bologna. Sie war bekannt für ihre Schnelligkeit in der sie ihre Gemälde erstellte. Als sie starb waren alle Würdenträger der Stadt anwesend.

 

Die Farbe > Rot < wird dem Weiblichen zugeordnet. ( "Shakti" = weibliche Kraft) und ist es nicht so, dass sich vor allem die Frauen mit roten Lippen und Fingernägeln schmücken?

Rot steigert zudem die Sinnlichkeit und Leidenschaft. Diese Farbe ist also aufregend, lebendig, erregend. Aber sie vermittelt uns auch erhöhte Energie, gibt uns seelische Kraft.

 

                           Sankt Moritz

                                von Tamara de Lempicka

 

 Die Schönen und die Reichen, die grosse Welt und die Halbwelt waren die Domäne der polnischen

Malerin, die in Mexiko starb. Sie war selbst eine Schönheit. Sie floh vor der Russischen Revolution 1918 nach Paris. Ihr Stil steht dem > Art Dèco < der 1920er, 1930er Jahre nahe.

 

 

 

 

 

Rot - Grün zusammen steht für höchste Vitalität. Übertragen in die Natur vermittelt uns diese Kombination Üppigkeit, Frische und Entspannung.

 

 

 

Diese Farbe könnte auch auf eine Gefahr hinweisen. Beim Herannahen erweist sich der rote Fleck als ein   Picknick im Grünen.

 

 

 Picknick an der Reuss

 

 

 

 

 

Von diesen Formen im Bild links kann sich der Betrachter in eine endlose Weite hinaustragen lassen.

Das Wesen der abstrakten Kunst ist es, eigene Gedanken und Assoziationen möglich werden zu lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  In endloser Weite

  von Herbert Bauer  1935 - 1986

 

 

 

 

 

 

Dieses Früchte - Blumenbild rechts wirkt wie aus einer anderen, fantastischen, inneren Welt.

 

 

Sèraphine Louis, aus dem französischen Dèpartement Oise, war eine ehemalige Schafhirtin und Küchenhilfe, war Haushälterin des Galeristen und Kunsthistoriker Wilhelm Uhde (1874 - 1947) in dessen Haus in Selnis bei Paris. Dieser entdeckte die Bilder der Künstlerin, die sie nachts heimlich malte.

Sie war völlig ungebildet, aber von einer tiefen Mystik erfüllt. Ihre Bilder schuf sie als eine Art Gegenwelt.

 

1930 stürzte sie in eine tiefe Krise, litt an Verfolgungswahn und verbrachte den Rest ihres Lebens in einer psychiatrischen Anstalt.

 

 

 

 

 

                                                                                                                    Die Früchte

                                                                                                                    von Sèraphine Louis  1864 - 1942

 

 

 

 

 Stillleben mit Kirschen, Erdbeeren und Stachelbeeren

 von Louise Moillon  1610 - 1696

 

Obwohl das Genre "Stillleben" damals in Paris als unwichtig eingestuft wurde und Malerinnen nur schwer anerkannt wurden fand die Französin "Moillon" gleichwohl Liebhaber ihrer Gemälde. Sie war eins von sieben Kindern des Malers und Kunsthändlers Nicolas Moillon.

 

Hier signalisiert uns die Farbe ROT ein Bild der Üppigkeit und Frische, gleichzeitig Vitalität und eine Sinnlichkeit, sowie Lebensfreude.

 

 

 

Wir empfinden eine Farbe als regelrecht körperlich. In einem Zimmer mit roten Wänden ist uns wärmer als in einem Raum mit blauen Wänden. Wollen wir eine Szene darstellen, die sich in einer warmen Situation abspielt oder auf ein warmes Gefühl hinweisen soll, so benutzen wir die Farbe Rot, oder eine Farbe mit einem ähnlichen Charakter.

 

Mit den Farben Rot und Grün erziehlt man in der Malerei  einen starken Effekt. Es lassen sich wirkungsvolle Farbpaare mischen wenn man einen Ton des Farbpaares erwärmt oder abkühlt.

Aber Achtung: Warme Farben drängen nach vorne, dunkle, kalte Töne (auch helle) weichen zurück.

 

 

                                    Paar am Gartentisch

                                          von August Macke  1887 - 1914

 

 

Macke wurde durch eine Begegnung mit dem Maler Robert Delaunay 1912 und dessen "orphischen Kubismus" stark beeinflusst.Diese Kunstform beruhte auf einer Geometrisierung der Gegenstandsformen und der Zerlegung des Lichts in reine Farben.

 

Dieses Bild lässt uns die Hitze des Sommers erahnen.

 

 

 

                                 Der Hohe Göll bei Alpenglühen

                                 von Carl Anton Joseph Rottmann   1797 - 1850

 

Rottmann gehört zu den einflussreichsten deutschen Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts. Seine Bilder und ihre Vervielfältigung waren schon zu seinen Lebzeiten über ganz Deutschland verbreitet worden. Das Massiv des Hohen Gölls bei Berchtesgaden hat er mehrfach gemalt. Hier spiegelt er sich in einem Bergsee. Wer genau hinsieht bemerkt auch den fliegenden Storch, den er in den rechten unteren Bildrand einfügte.

 

 

 

                                        Adam

                                        von Bernett Newman  1905 - 1970

 

Hier sehen wir ein Bild, das auf räumliche Präsenz und optischer Wirkung beruht. Die braunen Streifen treten ein in einen Dialog zu den roten Streifen.. Obwohl die roten Streifen schmaler sind treten sie optisch stärker gegenüber den braunen hervor und erzeugen ein Spannungsverhältnis.

Newman wurde als polnisch - russischer Jude in New York geboren.

 

 

 

                             Gedanken über Frauen

                                  Allen Jones  1937  Pop - Künstler

 

Dieses Bild bewegt sich zwischen abstrakten und figürlichen Darstellungen. Hier nähert sich Jones dem "Surrealismus" nachdem er sich von "Kubismus" und "Abstraktem Expressionismus" lösgelöst hatte. Auch in den "Gedanken über Frauen" verwendet er vorwiegend die Farbe Rot, die hier von seiner Einstellung zu Frauen erzählt. Im Verlauf des Jahrzehnts wurden die erotischen Anspielungen deutlicher, die abstrakten Elemente traten immer mehr zurück zugunsten von gemalten Männerfantasien.

 

 

Und nun zu guter letzt weise ich auf ein Gemälde hin zu dessen Malerin ich eine besondere Beziehung habe. Sie war  eine meiner Lehrer an der heutigen Hochchule für Gestaltung, damals Kunstgewerbeschule genannt.

Nicola Jäggli wurde 1955 in Winterthur, Schweiz, geboren und lebt bis heute dort. Ihre Raumsituationen, künstlichen Bühnenlandschaften sind ebenso erfinderisch wie ihre Farben. Sie war in vielen künstlerischen Sparten bewandert. Bilder von ihr sind u.a. in Sammlung der Bank Cantrade zu finden.
 

                    Nicola Jäggli   1955

               

                      

 

> Rot < in der Malerei

 

Wir nehmen die Wirkung von Farben oft nur unbewusst auf da das menschliche Auge oft nicht in der Lage ist, eine einzelne Farbe isoliert wahrzunehmen. Wir sehen die Farbe stets unter dem Einfluss der sie umgebenden Farben. Doch die Wirkung eines Gemäldes hängt wesentlich vom Zusammenspiel der in ihm enthaltenen Farben ab.

Es gibt viele Rot-Modulationen. Sie variieren zwischen kalt - warm, hell - dunkel, stumpf - leuchtend. Immer bewahren sie ihren Charakter im Gegensatz zu anderen Farben. Empfindlich ist sie aber wenn sie ins Gelbliche oder Bläuliche umschlägt. Bläuliches Rot entwickelt grosse Modulationsfähigkeiten, gelbliches Rot wird undurchsichtig.

 

Rot  "ist Farbe an sich" Die Komplementärfarbe von Rot  ist Grün. (Ausspruch gefunden in Farbenlehre von Johannes Itten)

 

Die hier aufgeführten Beispiele zeigen bewusst Gemälde von teils allgemein weniger bekannten Künstlern. Sie sollen in erster Linie meinen Schülern Anregungen vermitteln und Mut machen zum Experimentieren.

Möglichkeiten von Darstellungen gibt es viele.

 

Katharina


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload