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  • Katharina Proch Pleiss - Malschule Obfelden

Künstlerinnen-Selbstportraits Teil 5


Isabel Quintanilla Selbstportrait


Die Bildende Kunst der Frauen war bis in die 20gerJahre geprägt durch ihr Umfeld. Nur selten lag ihr eine politische Aussage zugrunde. Frauen, die sich an Abstraktionen wagten oder Aktdarstellungen, hatten es schwer, sich in der männerdominierenden Kunstwelt zu behaupten.

Ich habe mir einige Frauen herausgegriffen, deren Malerei die Zeit der Achtzigerjahre prägten und die es schafften, Anerkennung auch in der männlichen Kunstwelt zu erhalten. Wie so oft in meinem Blog gebe ich auch hier Einblick in ihr Umfeld, ihre Partner und ihren Werdegang.


Gisela Breitling 1939-2018

Evelyn Kuwertz 1945 (lebt in Berlin und Südfrankreich)

Isabel Quintanilla 1938-2017 (Francisco Lopez Hernandez 1932- 2017)

Doris Ziegler  1949 (Thomas Ziegler  1947- 2014)


Die wilden achtziger Jahre waren eine Zeit des visuellen Überflusses, in Ost und Westdeutschland geprägt durch die Figurative Kunst.  Im Osten, der damals isoliert wurde durch die Mauer, war es der Kampf gegen den Sozialistischen Realismus, der Eingang fand in die Gemälde. Im Westen waren es Darstellungen von Musikveranstaltungen, Alltagszenen aus dem grossstädtischem Umfeld.

Die Globalisierung brachte Videospiele, CD s, Einwegkameras und Vieles mehr. Es war die figurative Kunst, die in den Mittelpunkt des künstlerischen Interesses rückte und der Drang zum Erzählerischen gross. Nach den Jahren des Minimalismus wurde nun Alles möglich, einschliesslich Kitsch und Pathos. Die Malerei ist grell, farbig und durch motivische Kompromisslosigkeit gekennzeichnet.


Gisela Breitling 1939-2018


Gisela Breitling wurde am 27. Mai 1939 als zweitältestes Kind von Paul-Friedrich und Maria Breitling (geb. Widmann) in Berlin geboren. Beeinflusst von dem Wunsch ihrer Eltern absolvierte sie an der Hochschule in Krefeld (D) das Studium des Textilingenieurs. Im Anschluss an ihr Diplom reiste sie 1962 nach Rom und Florenz. Schon seit der Kindheit schlummerte in ihr der Wunsch, Malerin zu werden oder Biologin und so zog es sie nach Abschluss des Studiums nach Rom und Florenz, wo sie in Kontakt trat mit der Kunst der Renaissance.

Sie begann ein Studium an der damaligen Westberliner Hochschule für Bildende Künste, heute Universität der Künste Berlin, in der Klasse von Hans Jaenisch, wechselte in die Klasse von Friedrich Stabenau und schloss dort das Studium als Meisterschülerin ab. Sie erhielt zahlreiche Förderungen und Stipendien in Italien und Frankreich. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Porträts von starken und selbstbewussten Frauen. Ihre Bilder, Zeichnungen und Grafiken werden dem Phantastischen Realismus zugeordnet. Betrachtet man ihre Bilder bemerkt man, wie ausserordentlich detailliert sie vorgegangen ist, fast wie auf die Gemälde aus der Renaissance.



Evelyn Bauer zeichnend















Selbstbildnis mit gebrochener Hand (Öl auf Leinwand) Portrait von Gisela Breitling


Sie war außerdem in Forschung und Lehre tätig. "Frauen ganz allgemein müssen sich solidarisieren und pressure-groups bilden."


Gisela Breitling Selbstportraits


1985/1986 erhielt sie einen Lehrauftrag an der Berliner Hochschule der Künste, danach hatte sie eine Gastprofessur an der Universität Kassel. Zusammen mit der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst Berlin veröffentlichte sie 1988 eine umfassende Dokumentation über die Kunst von Frauen in öffentlichen Berliner Sammlungen. Wikipedia


Zusammen mit Evelyn Kuwertz gründete sie das Berliner Verborgene Museum, in dem seit 1987 vorwiegend Werke von vergessenen europäischen Künstlerinnen ausgestellt werden. Das Museum ist seit dem 1. Januar 2022 geschlossen, die Bestände werden nun in der Berlinischen Galerie gezeigt.


DAS VERBORGENE MUSEUM wurde 1986 in Berlin mit der Zielsetzung gegründet, Lebenswerk und Lebensgeschichte von Künstlerinnen bekannt zu machen, die aus den unterschiedlichsten Gründen in Vergessenheit geraten sind.


DAS VERBORGENE MUSEUM ist die weltweit einzige Einrichtung, die sich programmatisch um die öffentliche Präsentation und wissenschaftliche Aufarbeitung der Lebenswerke von Künstlerinnen zurückliegender Jahrhunderte bzw. nicht mehr aktiv tätiger Künstlerinnen kümmert. Die Initiative zur Gründung des Vereins DAS VERBORGENE MUSEUM war die Folge einer Untersuchung in den Berliner Museen (West) zwischen 1984 – 1987, bei der in den Archiven und Sammlungen die künstlerischen Arbeiten von über 500 Künstlerinnen festgestellt werden konnten von denen nur die wenigsten noch bekannt sind.

 

 DAS VERBORGENE MUSEUM präsentiert Ausstellungen von Künstlerinnen aller Gattungen: Malerinnen, Photographinnen, Bildhauerinnen und Architektinnen bislang vorwiegend der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert geborenen Generation. Nicht selten ist die Präsentation der Werke die erste Würdigung in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

 

In den vergangenen 30 Jahren hat DAS VERBORGENE MUSEUM durch Ausstellungen und Publikationen auf ca.100 Lebenswerke öffentlich hingewiesen und durch wissenschaftliche Veröffentlichungen die Basis für die Einbeziehung in den akademischen Diskurs sowie für eine Wertschätzung auf dem Kunstmarkt gelegt.

Wikipedia



Neben der Malerei begann Gisela Breitling mit dem Schreiben, setzte sich stark für die Kunst von Frauen ein und förderte deren Anerkennung. In ihrem Werk "Die Spuren des Schiffs in den Wellen" beschäftigt sie sich mit den Biografien von Frauen der Kunstgeschichte aus der Renaissancezeit, deren Anerkennung. Ich kann dieses Buch sehr empfehlen.

Gisela Breitling lebte zuletzt aufgrund ihrer Demenzerkrankung in einer Seniorenresidenz in Berlin-Lankwitz, wo sie 2018 starb.



Evelyn Kuwertz 1945


Die deutsche Malerin Evelyn Kuwertz wurde in Bad Aussee (Österreich) geboren. Auch sie schloss ihr Studium an der Hochschule der Künste in Berlin als Meisterschülerin ab. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Wie Gisela Breitling, mit der sie das Verborgene Museum in Berlin eröffnete, setzt sie sich ein für die Wertschätzung der Kunst von Frauen, der Gleichberechtigung auf dem Markt. Sie war Mitinitiatorin und Kuratorin internationaler Künstlerinnenausstellungen.

In ihren Werken stellt sie den Mensch in den urbanen Raum, alltägliche Begegnungen hält sie malerisch fest. Es ist die Geschichte Berlins, die sie erzählt. Zusätzlich beschäftigt sie sich mit Drucktechniken, wie Holzdruck und Siebdruck.


Baustelle Potsdamer Platz 1992 - 1995 von Evelyn Kuwertz 4-teilig, Eitempera, Öl / Leinwand


Berlin war und ist Wirkungskreis von Evelyn Kuwertz. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen in Deutschland und Frankreich.









 



Szenen aus dem Berliner Milieu von Evelyn Kuwertz


"Das Selbstporträt als eine Form der Selbstbefragung bildet den künstlerischen Anfang. Vertiefen wollte ich meine Neigung zur figurativen – gegenständlichen Kunst, deshalb konzentrierte ich mich auf ein altes Thema, das Selbstporträt, dass ich in den 70er und 80er Jahren in unterschiedlichen Zusammenhängen variiert habe. 2014 wird das Selbstporträt wieder aufgegriffen. In den neuen Arbeiten wird die Modulation des Gesichtes durch das einfallende Licht malerisch umgesetzt." 


Evelyn Kuwertz Selbstportrait



   Isabel Quintanilla 1938-2017

Isabell Quintanilla

Isabel Quintanilla war eine spanische Malerin und Zeichnerin. Sie studierte von 1953 bis 1959 an der Escuela Superior de Bellas Artes in Madrid. Das Staatsexamen für Malerei legte sie an der Universität Complutense Madrid in Madrid ab. Ihre Kunst wird dem zeitgenössischen Realismus zugeordnet. Sie war verheiratet mit dem Bildhauer Francisco Lopez Hernandez und schloss sich 1966 den spanischen Realisten an, zu denen die Künstlerin Maria Moreno und Antonio Lopez Garcia gehörten.


Selbstportrait von Isabel Quintanilla


















Die Malerin liebte es, scheinbar belanglose Objekte in den Mittelpunkt zu stellen. Sie liess die kleinen Dinge des Alltags zu Wort kommen, erzählte mit ihren Stillleben Geschichten, die häufig Fragen aufwarfen.  Aus kleinen Dramen des Alltags wurden metaphysische Geschichten.

  "Tribute to my Mother" von Isabel Quintanilla

Vom 27.Februar 2024 bis 2. Juni 2024 ist dieses Bild mit der Nähmaschine innerhalb einer Retrospektive im Museum National Thyssen-Bornemisza, Madrid zu sehen. Es ist das erste Mal, dass dieses Museum einer spanischen Künstlerin eine Ausstellung widmet.

Landschaft von Isabel Quintanilla


Ihre Landschaften, in denen sich selten ein menschliches Wesen befindet, sind von einer Unendlichkeit.

Isabel Quintanilla reiste nach Rom, London, Griechenland und Deutschland, lebte in Madrid, wo sie im Oktober 2017 im Alter von 79 Jahren starb.


Mit einer Retrospektive wurde die auch in Deutschland bekannte, 61-jährige Isabel Quintanilla als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Realisten geehrt. Die Schau umfasste 65 Ölgemälde und knapp 30 Zeichnungen, die zwischen 1955 und 1999 entstanden. Bereits 1987 hatte Quintanilla den renommierten Kunstpreis der Stadt Darmstadt erhalten.


Francisco Lopez Hernandez 1932- 2017















Picasso von Francisco Lopez Hernandez


Francisco López Hernández wurde am 28. April 1932 in Madrid, Spanien geboren.

Francisco López Hernández war ein spanischer Bildhauer und Zeichner. Er heiratete 1960 die Malerin Isabel Quintanilla in Madrid. Sie waren befreundet mit dem Maler Antonio López Garcia  und dessen Frau María Moreno.

Maria Moreno neben Isabel Quintabilla und Amalia Avia


Nach seinem Studium führten ihn seine Reisen nach Italien, Griechenland und Frankreich. Er schloss sich der Gruppe der Madrider Realisten an. Ab 1969 lehrte er an der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid. Francisco López Hernández starb am 8. Januar 2017 in Madrid.

Seine Plastiken sind zu sehen:


Neue Pinakothek, München



Antonio Lopez 19361936


Antonio López García, ein Maler der ersten Generation von Realisten, wurde 1936 wenige Monate vor dem Spanischen Bürgerkrieg, als Sohn eines spanischen Landwirts geboren. Sein Onkel Antonio Lopez Torres, ein Landschaftsmaler, ermutigte ihn Maler zu werden. Schon mit 13 Jahren ging er auf die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid und machte dort seinen Abschluss 1955. Er war beeindruckt von der Malerei Salvadore Dalis.

Ein Stipendium ermöglichte es ihm, zusammen mit seinem Freund und Malerkollegen Francisco López Hernández nach Italien zu reisen und die Malerei der Renaissance zu studieren.


Seit 1961 ist López García verheiratet mit der Malerin María Moreno. Er lebt und arbeitet in Madrid.


Antonio Lopez


Gemälde von Antonio Lopez




Doris Ziegler 1949

Doris Ziegler


Doris Ziegler ist eine deutsche Malerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Leipziger Schule. Geboren 1949 in Weimar thematisierte sie zu Beginn in ihren Bildern, das Leben in der DDR, die Jahre vor und nach dem Mauerbau, Strassen Szenen während der Gründerzeit, Industriebauten, welche den Sozialismus und die Vorkriegsgesellschaft illustrierten, Menschen in Wartesälen und später die Wendejahre.



Ihre späteren Selbstportraits begeistern bis heute die Kunstwelt. Sie sind rätselhafte Metapher.

Sie war von 1972 bis 1981 mit dem Maler Thomas Ziegler verheiratet. Aus der Verbindung ging ein Sohn hervor.












Selbstbildnis mit Sohn


Das Bild, auf dem Doris Ziegler nackt mit ihrem ebenso nackten Sohn zu sehen ist, hat einst hohe Wellen der Entrüstung geschaffen im Verband Bildender Künstler der DDR, die ein anderes Bild von einer sozialistischen Mutter hatten. Ihr alter Ego wirkt müde im Gegensatz zu dem aufgestellten Blick des Sohnes.


Passage-Stadt Gera von Doris Ziegler


Das Bild aus dem Werkzyklus Zieglers zeigt 5 sitzende Personen. Vermutlich sind es Vorbilder für die Malerin. Die Frau im Vordergrund gleicht der Malerin Frida Kahlo, die bekannt ist für ihre vielen Selbstportraits. Hinter ihr sitzt eine blasse Doris Ziegler im Gewand eines Pierrots, einem naiven, traurigen Mann. Der stehende Mann im Hintergrund ähnelt Max Beckmann.



Am 6. Okt. 2023 wurde der Künstlerin von der Stadt Zwickau der Max-Pechstein-Ehrenpreis verliehen. Man würdigte ihre unverwechselbare, eigenständige, malerische Position mit einer Ausstellung.


Thomas Ziegler 1947- 2014













Thomas Ziegler, Ehemann von Doris Ziegler, war in der damaligen DDR ein bekannter Maler. Er studierte an der Leipziger Hochschule Grafik und Buchkunst. Seine Bilder rechnet man dem sozialistischen Realismus zu. Das wichtigste Werk von ihm ist ein Bild aus einem Zyklus mit vier Sowjetischen Soldaten von 1987.

Ihn ärgerte es stets, dass Gemälde von ostdeutschen Künstlern auch 20 Jahre nach der Wiedervereinigung pauschal den Stempel "Staatskunst" aufgedrückt bekamen. Seine Bilder sind, wie ich in Wikipedia erfahren habe, eine Mischung aus Wahrnehmung, Fantasie, Bewusstsein, Unterbewusstsein, aus Rationalem und Prärationalem.

Thomas Ziegler starb 67- jährig in Köln bei einem Abendspaziergang.


Frauen wurden in der Kunstgeschichte systematisch ausgeblendet. Man reduzierte sie auf ihre Rolle als Mütter, Töchter, Gattinnen oder Modelle.

Viele Museen wollen inzwischen dem Vergessen entgegentreten mit Ausstellungen, in denen die Kunst der Frauen im Mittelpunkt steht.

Ich begrüsse das sehr und werde weiterhin über das weibliche Geschlecht berichten, das so viel Wunderbares geschaffen hat.


Katharina

Diese .....Fortschritte (der Frauen) lassen sich leicht bis zum Zeichnen ausdehnen, denn diese Kunst ist der, sich mit Geschmack zu kleiden, nahe verwandt: ich möchte jedoch durchaus nicht, dass man sie dazu verwendet, Landschaften zu zeichnen und noch weniger Figuren.
Laubwerk, Früchte, Blumen, Draperien. alles, was danach angetan ist, einem Kleidungsstück eine elegante Linie zu geben, selbst eine Strickvorlage zu machen, wenn man keine andere findet, die einem gefällt-
das genügt für sie.   Jean-Jacques Rousseau, Emile

Diese Bemerkung kam aus der Feder von Jean-Jacques Rousseau, Emile, Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist. Sie zeigt, den für seine Zeit normalen männerzentrierten gesellschaftlichen Blickwinkel, der den Stand der Frau im 18. Jahrhundert beschreibt. Wie selbstverständlich wurde ihr der Platz im Haus zugewiesen.

    

 

Jean-Jacques Rousseau, 1712-1778


Jean-Jacques Rousseau, Emile, war ein Vordenker der Aufklärung und wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. Er gehörte zu den Vordenkern der Aufklärung und war ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. Er hatte zudem grossen Einfluss auf die damalige Pädagogik des 18., 19. und 20sten Jahrhunderts.

In seinem Menschenbild, das er in zahlreichen Schriften über Erziehung dokumentierte, ist der Mensch von Natur aus gut, aber die Gesellschaft schlecht.



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